Vom Bohrer zum Buzzer: Andreas “Oachkatzl” Pfleger und seine DIY-Hindernisse

Hör mal, wer da hämmert! Oder: Wenn Ninja-Training schon in der Werkstatt beginnt! Ob Hangelstrecke, Balancehindernis oder Wandsprung: Was andere im Training überrascht, hat Andreas Pfleger oft schon im eigenen Ninja Warrior-Garten getestet und zuvor mit viel Tüftelei, Holz, Metall und Schweiß selbst gebaut. Wer ihn kennt, weiß: Für’s “Oachkatzl” (2024: Vierter der Österreichischen Meisterschaften) beginnt das Ninja-Training nicht erst beim ersten Griff oder Sprung, sondern bereits beim ersten Bohrer. Ein Blick hinter die Werkstatttüren des MacGyvers der Ninja-Szene.

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Andreas, du baust ja viele Ninja-Hindernisse selbst. Wie sieht es bei dir aktuell aus?
Ich habe mir zu Hause einen eigenen Ninja-Frame (Grundgerüst; Anm.) gebaut, um meine Hindernisse zu testen. Das war für mich die Priorität, damit ich eine stabile Basis habe. Darauf probiere ich dann die ganzen Prototypen aus. Im Moment habe ich einige Geräte zu Hause. Gerade baue ich wieder etwas für einen deutschen Ninja-Kollegen: Ein Hindernis, das es in Österreich oder Europa noch nicht gibt. Oft nehme ich Ideen aus Amerika, wo die Szene größer ist, und adaptiere sie für unsere Verhältnisse. Viele Leute rufen mich an und sagen: „Hey, ich habe das im Fernsehen oder Internet gesehen! Kannst du mir das bauen?“ Dann beginnt die Tüftel- und Testphase.

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Wie läuft der Prozess ab, wenn du ein neues Hindernis entwickelst? Zeichnest du zuerst oder fängst du gleich mit dem Bauen an?
Meistens bekomme ich ein Foto als Vorlage. Daraus mache ich eine Zeichnung, lege Abstände fest. Etwa 75 oder 80 Zentimeter, je nachdem, was passt. Und überlege, ob man etwas verbessern könnte. Dann beginne ich mit dem Bau. Der erste Prototyp ist selten perfekt, manches funktioniert sofort, anderes braucht mehr Zeit. Da heißt es: ausprobieren, anpassen, optimieren.

Könntest du die Entwicklung und den Bau von Ninja-Hindernissen auch hauptberuflich machen?
Nein, hauptberuflich mache ich das nicht. Dafür ist die Szene in Österreich einfach noch zu klein. Um wirklich davon leben zu können, müsste man das Geschäft breiter aufstellen. Für mich steht der Spaß im Vordergrund. Ich baue in erster Linie für mich selbst. Und auf Zuruf, wenn jemand konkret etwas haben möchte.

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Welche Materialien verwendest du hauptsächlich?
Meistens arbeite ich mit normalem Stahl und Holz. Aluminium setze ich nur selten ein. Vor allem für spezielle Teile wie Hooks, weil sie leichter sind. Allerdings ist Alu spröder und bricht leichter. Deshalb verwende ich es nur dort, wo es Sinn macht. Manche Hooks habe ich auch aus Edelstahl gebaut, aber die waren vielen zu schwer. Daher jetzt Alu als Alternative.

Woher beziehst du deine Materialien? Gehst du wie jeder Heimwerker ganz normal in den Baumarkt?
Ich habe meine fixen Lieferanten. In Graz kaufe ich beim Grossschädl Stahl, dort bekommt man zugeschnittene Teile sehr unkompliziert. Auch viele andere Ninjas aus Graz holen dort ihr Material. Holz kaufe ich ebenfalls in Graz, meistens gleich ein bis zwei Platten auf Vorrat, damit ich für einige Monate Ruhe habe.

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Gibt es ein Hindernis aus „Ninja Warrior“ oder ähnlichen Shows, das du unbedingt nachbauen wolltest?
Ja, die „Bear Trap“ (dt. „Bärenfalle“). Das sind die Hufeisen, wie sie im letzten Jahr genannt wurden. Das Hindernis hat mir gefallen, weil es vielseitig und kombinierbar ist. Zuerst habe ich einen Prototypen aus Blech und einem einfachen Mechanismus gebaut. Dann habe ich das Ganze Schritt für Schritt verbessert, bis ich zufrieden war. Schließlich habe ich die Teile bei einem Metaller lasern lassen. Mittlerweile habe ich sicher 25 bis 30 Stück davon gebaut, die in Österreich und Deutschland im Einsatz sind.

Und die Leute stellen sich das dann in den Garten oder Keller, um damit zu trainieren?
Genau. Das ist ja das Spannende am Ninja-Sport: Man braucht immer wieder neue Hindernisse oder Varianten, um Abwechslung und Dynamik ins Training zu bringen. Oft baue ich Prototypen auch für andere, wie zuletzt für einen deutschen Kollegen. Wir testen die Geräte gemeinsam, um Verbesserungen einzubauen.

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Was würdest du jemandem raten, der selbst mit dem Bau von Hindernissen anfangen möchte, aber keine Werkstatt oder Erfahrung hat?
Einfach anfangen! Viele Ninjas bauen ihre Hindernisse aus Holz. Mit einer Stichsäge kommt man schon sehr weit. Am Anfang muss es nicht perfekt sein. Ich selbst bin ein Perfektionist und habe mir mittlerweile spezielles Werkzeug wie Kreissägen angeschafft. Das meiste Geld, das ich durch den Verkauf von Hindernissen verdiene, investiere ich gleich wieder in Werkzeug und Material. Außerdem tausche ich mich gerne mit anderen aus. Sei es online oder direkt. Man lernt ständig dazu.

Sieht man Hindernisse aus Amerika oder Australien oder auch aus „Ninja Warrior Germany“, wirken die oft riesig und extrem aufwendig. Ist es überhaupt möglich, so etwas nachzubauen?
Ich versuche, die Hindernisse in einer abgespeckten Version zu bauen. Wichtig ist, dass die Dynamik und die Charakteristik erhalten bleiben, aber gleichzeitig müssen sie für die meisten Ninja-Frames in Österreich kompatibel sein. Meine Hindernisse sollen leicht integrierbar sein. Idealerweise auf einer oder zwei Stangen montierbar. Natürlich gibt es Grenzen, weil der Platz in privaten Hallen oder Gärten beschränkt ist. In großen Hallen in Österreich, Deutschland oder der Schweiz geht mehr. Mein Ziel ist es, Hindernisse so zu bauen, dass man sie flexibel einsetzen kann, ohne große Umbauten machen zu müssen.

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